Das Mainzer Herz schlägt weiter

ASV Mainz 88 gewinnt Vier-Punkte-Duell in Hösbach mit 16:12

Der ASV Mainz 88 hat im Auswärtsduell beim KSC Hösbach eindrucksvoll bewiesen, dass im Kampf um die Playoffplätze weiterhin mit den 88ern zu rechnen ist. In der „Höhle der Vikings“, die an diesem Abend unter dem Motto „All in“ stand, setzten sich die Mainzer mit 16:12 durch – ein Sieg, der sportlich wie emotional enorme Bedeutung hat. Beide Teams mussten gewinnen, um ihre Chance auf die Endrunde zu wahren. Mainz tat es. Und wie.

Bereits die Aufstellung sorgte für erste Spannung. Die Gastgeber hatten erstmals in dieser Saison Eigengewächs Niklas Dorn im Limit bis 66 Kilogramm (Freistil) aufgeboten, während sie im griechisch-römischen 61-Kilo-Duell mit dem japanischen Meister Ayata Suzuki ein Ausrufezeichen setzen wollten. Da die Mainzer aufgrund der Punktesituation Felix Vinson im griechisch-römischen Stil stellen mussten, war gegen Suzuki kein Kraut gewachsen. Die Vikings gingen 4:0 in Führung.

Im Schwergewicht traf Kapitän Wladimir Remel auf Robin Ferdinand, der seinen Heimvorteil nutzte und auf 6:0 erhöhte. Doch die 88er blieben unbeeindruckt. Und dann kam der erste große Wendepunkt: Im Freistil-Leichtgewicht (66 kg) feierte Neuzugang Andre Clarke ein Debüt in seiner angestammten Gewichtsklasse nach Maß. Gegen den nach langer Verletzung zurückgekehrten Dorn benötigte Clarke nur wenige Sekunden, um per Schultersieg auf 6:4 zu verkürzen.

In der griechisch-römischen 98-Kilo-Klasse stellte sich Ilja Klassner dem deutschen Spitzenringer Anton Vieweg. Trotz einer starken kämpferischen Leistung musste er Vieweg knapp den Vortritt lassen – 8:4 für Hösbach. Doch dann folgte ein Duell, das den gesamten Abend prägte.

In der Klasse bis 71 Kilogramm (griechisch-römisch) traf Mustafa Sahin auf den internationalen Topmann Gevorg Sahakyan, in den vergangenen Wochen der Punktegarant der Vikings. Sahakyan startete druckvoll, führte 3:0, doch Sahin blieb unerschütterlich. Mit unglaublichem Kampfgeist, hoher taktischer Disziplin und großem Willen drehte er die Partie. Sein Sieg war nicht nur technisch bemerkenswert, sondern auch von enormer Bedeutung für das Mainzer Momentum. Zur Pause stand es 8:5 für die Gastgeber – doch die Waage begann sich zu neigen.

Und die zweite Halbzeit startete genau so, wie die erste endete: mit einem Statement der Mainzer. Im 86-Kilo-Freistil überraschte Neuzugang Gadzhimurad Alikhmaev den hoch eingeschätzten Ahmed Dudarov nicht nur – er besiegte ihn klar. Mit 12:2 Punkten ließ er dem Ex-Mainzer keine Chance und glich die Mannschaftswertung zum 8:8 aus.

Im griechisch-römischen Limit bis 80 Kilogramm entwickelte sich zwischen Erik Löser und Radu Placinta ein intensives Duell auf Augenhöhe. Löser ging zunächst in Führung, doch Placinta blieb wie bereits im Hinkampf nervenstark und entschlossener. Mit einem taktisch reifen und kämpferisch harten Auftritt drehte er den Kampf und brachte Mainz erstmals mit 9:8 in Führung.

Dann folgte der Höhepunkt des Abends: die Königsklasse im Freistil bis 75 Kilogramm.

Der russische Neuzugang Aznaur Tavaev gab sein Heimdebüt für Hösbach und traf ausgerechnet auf einen Mann, der in der Bundesliga seit 2018 ungeschlagen ist: Timur Bizhoev. Und der Mainzer zeigte, warum.

Bizhoev begann furios, sammelte innerhalb von 30 Sekunden acht Punkte, und nahm seinem Gegner durch ständige Angriffe den Mut. Als Tavaev sich nur noch verteidigte, wechselte der Mainzer taktisch klug die Strategie, zermürbte ihn physisch und setzte schließlich einen technisch herausragenden Beinfeger. Nach knapp vier Minuten endete der Kampf technisch überlegen – ein Meisterstück. In der Halle hätte man eine Stecknadel fallen hören können, wären da nicht die Mainzer Fans gewesen, die den Sieg Ihres Helden lautstark feierten. Die 88er führten nun 13:8.

Im griechisch-römischen Limit bis 75 Kilogramm musste Nachwuchstalent Iosef Shahbazjan stilfremd antreten. Da Hösbachs nomineller Starter Michael Widmeier im Stau stand, sprang Nils Buschner ein und holte für die Vikings eine technisch überhöhte Wertung – 12:13.

Die Halle brodelte. Hoffnung keimte auf. Doch der ASV Mainz 88 blieb eiskalt.

Im letzten Duell des Abends traf der aktuelle Deutsche Meister im 80kg Limit Pouria Taherkhani auf Publikumsliebling Tim Müller. Taherkhani agierte zunächst abgeklärt, führte 2:0 zur Pause – und drehte dann auf. Mit präzisen Beinangriffen sammelte er Punkt um Punkt und gewann schließlich deutlich mit 10:1. Damit war der 16:12-Auswärtssieg perfekt.

Der Erfolg in Hösbach ist mehr als nur ein Sieg: Er ist ein starkes Zeichen im Playoffrennen. Vier Kampftage stehen noch aus, die 88er liegen zwei Punkte vor den Vikings – und haben den direkten Vergleich klar gewonnen. Um sicher die Endrunde zu erreichen, müssen die Mainzer dennoch weiter konsequent punkten. Die nächste Heimbegegnung am kommenden Samstag gegen die SVG Weingarten bietet dabei eine weitere Möglichkeit.

Ein wesentlicher Faktor des Sieges in Hösbach war die Arbeit des Trainerteams David Bichinashvili und Harun Yildiz. Mit akribischer Analyse und einer präzise abgestimmten Aufstellung, gelang es den Coaches, ihre Mannschaft optimal auf den Abend vorzubereiten.

Der ASV Mainz 88 zeigt: Das Herz schlägt weiter. Und es schlägt kräftig.

von Karani Kutlu

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